Die Welt ist ein Dorf. Wir haben so viele Möglichkeiten. Zu Lernen. Zu Leben. Zu verstehen. Es ist so einfach...
Mittwoch, 28. November 2012
Bahnhof - Das "Problem" mit der Sprache
Es stimmt wirklich, es gibt sprachliche Barrieren. Nur finden sich die meistens dort, wo man sie gar nicht vermutet. Ohne einen Brocken Französisch kann man es zum Beispiel in Frankreich ganz schön schwer haben. Nicht, weil die Franzosen nicht etwa keine anderen Sprachen verstünden, sondern weil sie schlicht nicht wollen. Das mag eine Verallgemeinerung sein, in vielen Fällen trifft sie aber zu. Wenn Sie also auf jemanden treffen – egal in welchem Land – der nicht will, dann haben Sie selbstverständlich keine Chance. Die meisten Menschen weltweit helfen aber gerne, und die Verständigung mit Händen und Füßen klappt meistens ebenfalls hervorragend. Ich war vor Jahren eine ganze Woche mit einem peruanischen Führer im Amazonas unterwegs. Er sprach kein Wort Englisch oder Deutsch, und mein Spanisch beschränkte sich damals auch auf das wirklich Allernötigste. Ich kann nicht behaupten, dass wir uns nicht verständigen konnten. Im Gegenteil: wir hatten eine Menge Spaß, und haben ziemlich viel von einander gelernt.
Wenn es um das Thema Sprache geht, muss man sich zunächst von zwei Mythen befreien.
Erstens: die Weltsprache ist Englisch.
Ich verstehe bis heute nicht, wie es zu diesem Gerücht kommen konnte. Wenn man von der Masse aller Länder weltweit diejenigen abzieht, in denen die Landessprache tatsächlich Englisch ist (also Nordamerika, Großbritannien, Australien, Südafrika, und ein paar ehemalige Kolonien und karibische Inseln), dann bleiben nicht mehr viele Nationen übrig, in denen die englische Sprache verbreitet ist. Ich musste selbst in Teilen der USA (speziell natürlich dem Süden Kaliforniens und Floridas) feststellen, dass man hier mit Spanisch weiter kommt als mit Englisch. Und haben Sie schon mal versucht in Italien, Frankreich oder Portugal eine englische Konversation zu führen? Von Osteuropa, Asien oder Mittel- und Südamerika ganz zu schweigen. In stark touristisch dominierten Gegenden sollte das zwar kein Problem sein, voraussetzen sollte man das aber auf keinen Fall! Und wer schon etwas herumgekommen ist weiß, dass die touristisch erschlossenen Gebiete der meisten Länder nicht besonders groß sind. Fahren Sie beispielsweise an den Gardasee in Norditalien. Eine – wie man meinen sollte – fast schon deutsche Kolonie. Sie werden rund um den See so gut wie niemanden finden, der nicht Deutsch spricht. Sobald sie sich aber den Luxus gönnen, mit dem Auto eine halbe Stunde in die umliegenden Berge zu fahren werden Sie sehen, dass dort italienische Großmütter noch Ihre Wäsche am Dorfbrunnen waschen, und nicht die leiseste Ahnung von einer anderen Sprache außer ihrer eigenen haben.
Stellen Sie sich also darauf ein, dass Sie mit Englisch nicht besonders weit kommen werden.
Haben Sie aber bitte auch keine Angst davor!
Zweitens: Sprachen sind schwer zu lernen.
Zugegeben, es gibt Sprachen bei denen man sich wirklich fragt, auf wessen Mist das gewachsen ist. Finnisch klingt wunderschön, ich möchte es aber beim besten Willen nicht lernen müssen. Tschechisch, Ungarisch oder Chinesisch sind ebenfalls Paradebeispiele für nicht ganz leichte Sprachen. Dem Einen fliegt es zu, der Andere tut sich mit dem Lernen von Sprachen generell schwer.
Trotzdem gilt: niemand erwartet von Ihnen, dass Sie eine Sprache perfekt sprechen, die Grammatik aus dem FF beherrschen, und eine stundenlange Diskussion über wirtschaftspolitische Fragen führen können. Sie werden die Sympathien aber sofort auf Ihrer Seite haben, wenn man merkt, dass Sie sich bemühen. Schon ein simples „Guten Tag“ in der Landessprache kann so manche Tür sehr weit öffnen. Fragen Sie nach, seien sie neugierig. Versuchen Sie die wichtigsten Redewendung aufzuschnappen, und schreiben Sie sie – wenn nötig phonetisch – irgendwo auf.
Bei mir hat das einmal so weit geführt, dass sich ein Kneipenbesitzer in Guatemala stundenlang mit mir auf Spanisch unterhalten hat. Er hat mir sein Leben und die Geschichte seines Landes in Zeitlupe erzählt, und nach jedem Satz nachgefragt, ob ich es verstanden habe. Wenn nicht, hat er versucht es zu erklären. Am nächsten Morgen war mein Verständnis von Land, Leuten und Sprache ein komplett anderes.
Nun ist spanisch eine recht leicht zu erlernende Sprache. Das funktioniert aber auch in anderen Gegenden dieser Welt.
Ein anderes Beispiel: nehmen wir Türkisch. Das deutsche Ohr dürfte massive Probleme haben, in einem gesprochenen türkischen Satz auch nur ein einziges Wort zu isolieren. Daher entsteht bei uns das Missverständnis, diese Sprache sei schwer. Ich kann Sie beruhigen, sie ist es nicht im Geringsten. Diese Liste lässt sich vermutlich endlos fortführen. Wichtig ist tatsächlich nur: mit Händen und Füßen, und einer kleinen Portion Interesse und Neugierde kommen Sie überall durch.
Und wenn Sie „Bahnhof“ verstehen, dann ist das gar nicht so schlecht. Denn das ist für Sie als Reisender der richtige Ort um Gleichgesinnte zu treffen, und eventuell auch den weiteren Reiseverlauf zu planen.
Bevor ich jetzt damit beginne, etwas detaillierter auf meine Reiseerlebnisse einzugehen noch kurz der Hinweis:
Meine bevorzugten Reiseziele mögen andere sein als Ihre, meine Art zu Reisen mag nicht Ihren Vorstellungen entsprechen, und meine Eindrücke sind ganz bestimmt nicht objektiv.
Die geschilderten Erlebnisse können Einzelfälle sein, und sollten daher nicht als repräsentativ für ganze Länder gelten.
Darum noch einmal:
ich habe meine Erfahrungen, meine Erlebnisse, meine Träume – leben Sie Ihre, auch wenn Sie ganz anders aussehen!
Jetzt aber – raus aus dem Kopf, rein ins Abenteuer....
Beim nächsten Mal!
Freitag, 2. November 2012
Wir wollten ja über die Gefahren beim Reisen reden!
Die Zeiten, zu denen sich Abenteurer wie Roald Amundsen, David Livingstone oder Ernest Shackleton aufmachten, um die bisher weißen Flecken auf der Landkarte zu erkunden, ohne auch nur die geringste Ahnung was sie erwartet, sind vorbei. Machen wir uns nichts vor, mit wirklich ganz wenigen Ausnahmen kann sich heutzutage jeder noch so Ahnungslose die nötigen Informationen über das Land seiner Träume aus einer Vielzahl von Informationsquellen besorgen. Reiseliteratur füllt ganze Abteilungen in Buchläden, das Internet quillt über vor Reiseberichten und Homepages verschiedenster Abenteurer und Länder, das Auswärtige Amt informiert über mögliche Gefahren.
Information ist kein spärlich gesätes Gut mehr. Nutzen Sie es!
Die eigentliche Herausforderung besteht hier mittlerweile aus zwei Dingen: zum Einen muss man es wagen, weit über den berühmten eigenen Tellerrand zu blicken, und zum Anderen muss man die Fähigkeit besitzen, die erhaltenen (oder erhältlichen) Informationen zu filtern. Wer hat welche Erfahrungen vor welchem Hintergrund gemacht? Welche Sympathien hegt der Autor für welche Seite? Welche Vorurteile oder persönlichen Anschauungen beeinflussen eventuell die Darstellung des Erlebten? (Wenden Sie diese Sichtweise bitte auch unbedingt beim Lesen dieses Buches an! Alles was Sie hier lesen ist garantiert extrem subjektiv!)
Die größte, und am weitesten verbreitete Gefahr für Reisende ist mittlerweile - mal abgesehen von Naivität und Ignoranz -die, übers Ohr gehauen zu werden. Da nimmt einem ein Taxifahrer schon mal 50 Dollar ab für eine Strecke, die vielleicht nur fünf Dollar kostet. Oder er fährt extra den längeren Weg um den Preis nach oben zu treiben. Das ist zwar ärgerlich, kann man aber verschmerzen. Meiden Sie daher wenn möglich die Orte, an denen Touristen zu Hauf angekarrt werden. Oder – wenn es gar nicht anders geht – versuchen Sie diese Orte schnell zu verlassen. (Wer schon einmal an einem asiatischen Flughafen aus der Ankunftshalle getreten ist kann ein Lied davon singen. Es ist schon eine besondere Kunst die gefühlten 10.000 Taxifahrer zu ignorieren, die einen in ihr Gefährt zerren wollen. Jedoch – diese Kunst ist erlernbar.)
Generell gilt: die wenigsten Gegenden dieses Planeten sind im weitesten Sinne „gefährlich“.
Natürlich gibt es immer ein paar Brennpunkte, die Reisende mit gesundem Menschenverstand meiden sollten. Ich wage hier allerdings keine Nennung bestimmter Länder, da sich solche Situationen oft sehr schnell ändern können. Das dürfte spätestens bei meiner Beschreibung über Nicaragua verständlich werden.
Trotzdem möchte ich ein kurzes Beispiel geben, um ansatzweise klar zu machen, worum es mir geht:
Als vor einiger Zeit westliche Kampfflugzeuge im Osten der Türkei stationiert wurden, um in den „Krisenherden“ Afghanistan und Irak eingesetzt zu werden, gab es eine Welle von Reisestornierungen unter Urlaubern, die ihre Zeit in Antalya, Marmaris, oder ähnlichen Orten an der türkischen Mittelmeerküste verbringen wollten. Das Argument: man befinde sich zu nah an einem Kriegsschauplatz und fühle sich unsicher.
Wer einen Blick auf eine Karte geworfen hätte, hätte schnell bemerkt, dass sich der so genannte Kriegsschauplatz mehr als 1300 Kilometer vom Urlaubsort entfernt befand.
Als es im Kosovo und dem ehemaligen Jugoslawien zu Kampfhandlungen kam, fuhren Touristen aller Länder dagegen weiter fröhlich an die italienische Adria zum Sonnenbaden. Keiner störte sich daran, dass der Ort des Geschehens schon fast mit bloßem Auge bei einem Blick über das Meer zu erkennen war. Erkennen Sie die Diskrepanz?
Und falls ihnen jetzt das Argument auf der Zunge liegt, die Gefahr sei in einem „muslimischen“ Land wie der Türkei wohl höher…heben Sie es sich auf, bis Sie den Abschnitt über die Türkei gelesen haben. Sie werden froh sein, so lange gewartet zu haben.
Aber ich schweife ab, schließlich sprechen wir hier zunächst von Gefahr im Allgemeinen. Fakt ist: in allen Ländern dieser Welt wohnen – man mag es kaum glauben – Menschen. Sie leben zumeist nicht in Hotels oder Clubanlagen, nein, sie werden in ihren Städten oder Dörfern geboren, werden erwachsen, gehen einem Beruf (oder zumindest irgendeiner Arbeit) nach und haben Familie. Ein ganz normales Leben also.
Der Vorteil den diese Menschen haben ist der: sie kennen ihren Lebensraum. Genau wie Sie wissen, welche Gegenden Ihrer Heimatstadt nach Einbruch der Dunkelheit keinen Besuch wert sind, so wissen auch diese Menschen wo es sicher oder unsicher ist. Und wenn man sie fragt, dann sagen Sie es einem in der Regel. Auf diese Art können Sie die Möglichkeit überfallen oder ausgeraubt zu werden auf ein Minimum reduzieren. Alles andere ist ein gewisses Restrisiko, das Sie selbst zu Hause nicht restlos ausschließen können.
Also: sprechen Sie mit den Einheimischen, haben Sie keine Berührungsängste! In den meisten Fällen wird man sie zuvorkommend behandeln, und Ihnen bereitwillig Auskunft geben.
Sie erhalten fast immer wertvolle, und vor allem aktuelle und realistische Einschätzungen der Gegend und der Situation. Vielleicht werden Sie zum Essen eingeladen, und können zum ersten Mal wirklich landestypische Kost probieren. Vielleicht lädt man Sie ein zu Übernachten, und sie erhalten gleich einen Eindruck von der sprichwörtlichen Gastfreundschaft. Vielleicht erklärt man sich bereit, sie am nächsten Tag herumzuführen und den Freunden und Verwandten vorzustellen. Und wenn Sie sich richtig anstellen (und auch an die Richtigen gelangen) gewinnen Sie vielleicht Freunde fürs Leben.
Seien Sie neugierig, aber nicht aufdringlich. Wecken Sie den Entdecker in sich, aber seien Sie nicht naiv, seien Sie freundlich, aber lassen Sie sich nicht über den Tisch ziehen. Geben Sie sich selbstsicher, aber nicht überheblich. Vermutlich legen Sie all diesen Verhaltensweisen zu Hause im alltäglichen Leben sowieso schon an den Tag. Wenn Sie das auch auf Reisen schaffen, dann sind Sie schon einen Schritt weiter auf der sicheren Seite. Machen Sie sich frei von dem Gedanken, dass Sie eine Reise nur überleben müssen, Sie sollten sie erleben!
Ich stelle mir gerade – während ich diese Zeilen schreibe – vor, ich würde Ihnen das alles bei einem persönlichen Gespräch erzählen. Spätestens bei dem Satz „und wenn man sie fragt, dann sagen Sie es einem in der Regel“ hätten Sie mich unterbrochen. Richtig? Natürlich. Ihr Einwand wäre gewesen: „Ich könnte Sie fragen, wenn ich die Landessprache sprechen würde. Und dann würde ich vielleicht auch die Antwort verstehen.“
Und damit kommen wir auf das nächste „Problem“.
Nämlich das mit der Sprache.... beim nächsten Mal!
Freitag, 19. Oktober 2012
Alles Verbrecher!?
Gefahren und Entbehrungen
Man kann schon fast die Uhr danach stellen. Jedes mal wenn ich von einer vergangenen oder einer geplanten Reise erzähle dauert es keine 30 Sekunden bis mindestens eine der beiden Fragen fällt: „Aber ist das denn nicht unheimlich gefährlich?“ oder „Da musst Du doch auf ganz schön viel verzichten, oder?“
Ich möchte mit der Verzichtsfrage beginnen. Zunächst einmal: man MUSS überhaupt nichts!
Wir sprechen hier immer noch von Freizeitgestaltung, davon, etwas zu erleben. Die Welt kennen zu lernen. Davon, Spaß zu haben und etwas mitzunehmen. Und auch davon, ein klein wenig vom Gewöhnlichen abzuweichen.
Dieses Buch handelt NICHT von Askese und dem Erreichen einer höheren Bewusstseinsform durch zwanghaftes Fasten oder schmerzhafte Entbehrungen. Sie, und nur Sie, entscheiden, was Sie tun oder lieber lassen möchten, wie hoch oder niedrig die Luxusschwelle anzusiedeln ist, bis wohin es eine Erfahrung ist, und wo es anfängt weh zu tun.
Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie für die Übernachtung mit Zelt und Schlafsack geschaffen sind, dann probieren Sie es aus. Leihen Sie sich von Bekannten ein kleines Zelt samt Schlafsack und Isomatte, schnappen Sie sich einen Gaskocher und fahren Sie für eine Nacht auf einen Campingplatz ins Grüne. Genießen Sie die frische Luft, die Geräusche, die komplette Atmosphäre. Wenn Sie sich am nächsten Morgen nicht mehr rühren können, und die alte Eiche für Ihre grazilen Bewegungen im Wind beneiden, dann ist es an der Zeit zu überlegen, ob sie das öfter tun möchten, oder ob Sie in Zukunft doch lieber im Gästehaus oder im Wohnmobil schlafen sollten. Wie gesagt, es soll ja schließlich noch Spaß machen.
Niemand zwingt Sie zu etwas. (Denken Sie vielleicht auch über eine Hängematte nach. Extrem bequem, rückenschonend, und Sie wiegen sich selbst in den Schlaf.)
Die meisten anderen so genannten Entbehrungen sind meistens nur Gewohnheiten die wir ungern ablegen. Müssen wir alle zehn Minuten unsere e-mails abrufen? Müssen wir jeden Abend vor der Glotze verbringen, müssen wir jeden Meter mit dem Auto fahren? Müssen wir immer und überall übers Handy erreichbar sein? Alles in sozialen Netzwerken kommentieren, und jedem mitteilen, dass wir am Klo sitzen und schwarze Socken tragen?
Zugegeben, ich mag all diesen Luxus mit seinem Sinn und Unsinn, und möchte im alltäglichen Leben nicht mehr darauf verzichten. Es macht vieles so viel einfacher. Wenn ich das Mobiltelefon abends zu Hause vergesse frage ich mich die ganze Zeit, wer jetzt wohl gerade versuchen könnte mich zu erreichen. Wenn ich spontan Lust habe auszugehen und Freunde zu treffen, dann poste ich es im Netz.
Sobald ich aber meinen Rucksack schultere und das alles hinter mir lasse merke ich, dass es – zumindest für eine bestimmte Zeit – auch ohne geht. Ganz ehrlich, manchmal lassen wir uns von all dem Kram schon ganz schön stressen.
Sie werden merken, dass Sie viel entspannter sind, wenn Sie nicht dauernd erreichbar sind, und sich ganz auf sich selbst konzentrieren können. Mann kann sich diese permanente Erreichbarkeit recht schnell abgewöhnen. Früher ging es doch auch.
Wirkliche Entbehrungen wie Wasser- oder Nahrungsmangel, unzureichende medizinische Versorgung, Grenzgänge körperlicher Belastbarkeit etc. muss man heutzutage nur noch in Betracht ziehen, wenn man sich wirklich bewusst ins Extreme begibt. Sollten Sie eine Alleinbesteigung eines 8000ers, eine Wüstendurchquerung, eine Solo-Weltumsegelung oder eine Expedition zum Nordpol planen, dann können Sie über wirkliche Entbehrungen nachdenken.
Es geht hier nicht darum, zu überleben. Es geht um das erleben!
Und das bringt mich auf die Frage über Gefahren:
Dazu mehr beim nächsten Mal!
Man kann schon fast die Uhr danach stellen. Jedes mal wenn ich von einer vergangenen oder einer geplanten Reise erzähle dauert es keine 30 Sekunden bis mindestens eine der beiden Fragen fällt: „Aber ist das denn nicht unheimlich gefährlich?“ oder „Da musst Du doch auf ganz schön viel verzichten, oder?“
Ich möchte mit der Verzichtsfrage beginnen. Zunächst einmal: man MUSS überhaupt nichts!
Wir sprechen hier immer noch von Freizeitgestaltung, davon, etwas zu erleben. Die Welt kennen zu lernen. Davon, Spaß zu haben und etwas mitzunehmen. Und auch davon, ein klein wenig vom Gewöhnlichen abzuweichen.
Dieses Buch handelt NICHT von Askese und dem Erreichen einer höheren Bewusstseinsform durch zwanghaftes Fasten oder schmerzhafte Entbehrungen. Sie, und nur Sie, entscheiden, was Sie tun oder lieber lassen möchten, wie hoch oder niedrig die Luxusschwelle anzusiedeln ist, bis wohin es eine Erfahrung ist, und wo es anfängt weh zu tun.
Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie für die Übernachtung mit Zelt und Schlafsack geschaffen sind, dann probieren Sie es aus. Leihen Sie sich von Bekannten ein kleines Zelt samt Schlafsack und Isomatte, schnappen Sie sich einen Gaskocher und fahren Sie für eine Nacht auf einen Campingplatz ins Grüne. Genießen Sie die frische Luft, die Geräusche, die komplette Atmosphäre. Wenn Sie sich am nächsten Morgen nicht mehr rühren können, und die alte Eiche für Ihre grazilen Bewegungen im Wind beneiden, dann ist es an der Zeit zu überlegen, ob sie das öfter tun möchten, oder ob Sie in Zukunft doch lieber im Gästehaus oder im Wohnmobil schlafen sollten. Wie gesagt, es soll ja schließlich noch Spaß machen.
Niemand zwingt Sie zu etwas. (Denken Sie vielleicht auch über eine Hängematte nach. Extrem bequem, rückenschonend, und Sie wiegen sich selbst in den Schlaf.)
Die meisten anderen so genannten Entbehrungen sind meistens nur Gewohnheiten die wir ungern ablegen. Müssen wir alle zehn Minuten unsere e-mails abrufen? Müssen wir jeden Abend vor der Glotze verbringen, müssen wir jeden Meter mit dem Auto fahren? Müssen wir immer und überall übers Handy erreichbar sein? Alles in sozialen Netzwerken kommentieren, und jedem mitteilen, dass wir am Klo sitzen und schwarze Socken tragen?
Zugegeben, ich mag all diesen Luxus mit seinem Sinn und Unsinn, und möchte im alltäglichen Leben nicht mehr darauf verzichten. Es macht vieles so viel einfacher. Wenn ich das Mobiltelefon abends zu Hause vergesse frage ich mich die ganze Zeit, wer jetzt wohl gerade versuchen könnte mich zu erreichen. Wenn ich spontan Lust habe auszugehen und Freunde zu treffen, dann poste ich es im Netz.
Sobald ich aber meinen Rucksack schultere und das alles hinter mir lasse merke ich, dass es – zumindest für eine bestimmte Zeit – auch ohne geht. Ganz ehrlich, manchmal lassen wir uns von all dem Kram schon ganz schön stressen.
Sie werden merken, dass Sie viel entspannter sind, wenn Sie nicht dauernd erreichbar sind, und sich ganz auf sich selbst konzentrieren können. Mann kann sich diese permanente Erreichbarkeit recht schnell abgewöhnen. Früher ging es doch auch.
Wirkliche Entbehrungen wie Wasser- oder Nahrungsmangel, unzureichende medizinische Versorgung, Grenzgänge körperlicher Belastbarkeit etc. muss man heutzutage nur noch in Betracht ziehen, wenn man sich wirklich bewusst ins Extreme begibt. Sollten Sie eine Alleinbesteigung eines 8000ers, eine Wüstendurchquerung, eine Solo-Weltumsegelung oder eine Expedition zum Nordpol planen, dann können Sie über wirkliche Entbehrungen nachdenken.
Es geht hier nicht darum, zu überleben. Es geht um das erleben!
Und das bringt mich auf die Frage über Gefahren:
Dazu mehr beim nächsten Mal!
Donnerstag, 11. Oktober 2012
Keine Zeit zu Reisen - Fortsetzung
Und weiter geht´s... Wer den letzten Post noch nicht gelesen hat, der sollte das vorher tun. Das hier knüpft unmittelbar an
Eine längere Reise vor oder nach der Ausbildung anzutreten macht also durchaus Sinn.
Nach der Einführung der Studiengebühren kommt nämlich zwischenzeitlich doch ein nicht unbeachtlicher finanzieller Aspekt dazu, wenn man sich während des Studiums ein Jahr oder ein Semester Auszeit nimmt. Das ließe sich wohl am ehesten noch durch ein Auslands-Semester realisieren. Ob hier allerdings der Aspekt des Reisens noch gegeben ist wage ich in den meisten Fällen zu bezweifeln. Allerdings kann ich das nicht aus eigener Erfahrung sagen. Ich kenne Studenten, die für zwei Semester in die USA gegangen sind, und nicht mehr als das unmittelbare Umfeld der jeweiligen Universitätsstadt gesehen haben. Ein anderes Beispiel ist das eines guten Freundes von mir. Im Rahmen seines Geographiestudiums hat er mehrfach Südamerika bereist, war im tiefsten Dschungel, auf den höchsten Andengipfeln und wochenlang mit dem Kanu auf dem Amazonas unterwegs. Er hat im Zelt und in Höhlen übernachtet, hat Freundschaften mit Einheimischen geschlossen und war in Gegenden, die wohl kaum ein normaler Tourist je zu sehen bekommt. Mittlerweile ist er zum x-ten Mal für Wochen auf einer Forschungsstation in Ecuador um dort seine Doktorarbeit zu schreiben. Das ist keine trockene Theorie, das ist erlebtes Wissen. Es gibt bestimmt genug Studenten, die hier gerne aus dem Nähkästchen plaudern, und bei denen man sich einen Eindruck von möglichen Auslandssemestern verschaffen kann. Information ist alles!
Was die Thematik Ausbildung und Reisen angeht liegt mir noch eine Sache am Herzen die ich hier kurz anreißen möchte. Ich stelle mit einigem Befremden fest, dass die Diskussion um Eliten und Eliteuniversitäten in Deutschland immer wieder aufs Neue angekurbelt wird. Jeder der einmal für längere Zeit studiert hat weiß, dass unser Unisystem dringend überarbeitet werden muß. Und es steht auch völlig außer Frage, dass besonders talentierte Menschen gefördert werden sollten. Ob es aber tatsächlich förderlich ist Kindern und Jugendlichen auf den entsprechenden Internaten und Unis von Anfang an einzuimpfen, dass sie zur „Elite“ gehören halte ich für extrem fraglich. Aus gemachter Erfahrung kümmert sich diese herangezogene Elite leider Gottes meistens nur um sich selbst, um den eigenen Standard, den eigenen Geldbeutel, die eigene Karriere. Was „die da unten“ so treiben bleibt für sie meist im Verborgenen. Zur Elite wird man nicht erzogen, man wächst über Jahre und Jahrzehnte durch erbrachte Leistungen und Denkschemata in sie hinein. Elite ist für mich jemand, der die Welt versteht, der über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede bescheid weiß, der sich der Mängel und auch der Vorzüge bewußt ist, der versucht etwas zu bewegen. Wie bitteschön soll jemand die Vorgänge in unserer Welt verstehen wenn er sie zwar bereist, aber immer nur die Schokoladenseite sieht? Wie soll er oder sie die Not von Menschen, Völkern, ja ganzen Ländern verstehen, wenn er sie nie gesehen hat? Wie kann man über eine Nation urteilen, wenn man nur die Golfplätze, die exklusiven Shoppingmeilen und die Sternerestaurants kennt, die sich vielleicht nur ein Bruchteil der dort lebenden Menschen leisten kann? Wie kann man es sich erlauben über die Arbeitsplätze, das Wohl oder Übel tausender Menschen zu entscheiden, wenn man die Situation nicht kennt in die sie das bringt? Wie kann es sein, dass ach so weit entwickelte Nationen den wirtschaftlichen Fortschritt über das Wohlergehen von ganzen Volksgruppen stellen, Menschenrechtsverletzungen hinnehmen, nur damit das Bruttosozialprodukt fleißig weiter wächst?
In vielen sogenannten Eliteschmieden werden viel zu oft Menschen herangezogen, deren einzige Sorgen darin bestehen, dass der neue Weinjahrgang schlechter ist als der letzte, dass die neue Rolex-Kollektion auch nicht mehr das ist, was sie mal war, und dass das Green auf dem Golfplatz nicht richtig gemäht war. Bitte, ich versuche in diesem Buch generell Vorurteile abzubauen. Ich mag in der Vergangenheit an die falschen Leute geraten sein, aber das ist das Bild, das ich von unserer sogenannten Elite bekommen habe.
Wäre es nicht geschickter die Menschen „das Leben“ zu lehren, als ihnen einzureden sie seien etwas Besseres?
Ich schreibe dieses Buch nicht, um Politik zu machen, aber einer meiner ehemaligen Vorgesetzten hatte folgenden Wahlspruch: „Wenn Du glaubst jemand zu sein hast Du aufgehört jemand zu werden.“ Ich persönlich nutze jede Gelegenheit um „jemand zu werden“. Denken Sie mal darüber nach.
Was die Thematik Ausbildung und Reisen angeht liegt mir noch eine Sache am Herzen die ich hier kurz anreißen möchte. Ich stelle mit einigem Befremden fest, dass die Diskussion um Eliten und Eliteuniversitäten in Deutschland immer wieder aufs Neue angekurbelt wird. Jeder der einmal für längere Zeit studiert hat weiß, dass unser Unisystem dringend überarbeitet werden muß. Und es steht auch völlig außer Frage, dass besonders talentierte Menschen gefördert werden sollten. Ob es aber tatsächlich förderlich ist Kindern und Jugendlichen auf den entsprechenden Internaten und Unis von Anfang an einzuimpfen, dass sie zur „Elite“ gehören halte ich für extrem fraglich. Aus gemachter Erfahrung kümmert sich diese herangezogene Elite leider Gottes meistens nur um sich selbst, um den eigenen Standard, den eigenen Geldbeutel, die eigene Karriere. Was „die da unten“ so treiben bleibt für sie meist im Verborgenen. Zur Elite wird man nicht erzogen, man wächst über Jahre und Jahrzehnte durch erbrachte Leistungen und Denkschemata in sie hinein. Elite ist für mich jemand, der die Welt versteht, der über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede bescheid weiß, der sich der Mängel und auch der Vorzüge bewußt ist, der versucht etwas zu bewegen. Wie bitteschön soll jemand die Vorgänge in unserer Welt verstehen wenn er sie zwar bereist, aber immer nur die Schokoladenseite sieht? Wie soll er oder sie die Not von Menschen, Völkern, ja ganzen Ländern verstehen, wenn er sie nie gesehen hat? Wie kann man über eine Nation urteilen, wenn man nur die Golfplätze, die exklusiven Shoppingmeilen und die Sternerestaurants kennt, die sich vielleicht nur ein Bruchteil der dort lebenden Menschen leisten kann? Wie kann man es sich erlauben über die Arbeitsplätze, das Wohl oder Übel tausender Menschen zu entscheiden, wenn man die Situation nicht kennt in die sie das bringt? Wie kann es sein, dass ach so weit entwickelte Nationen den wirtschaftlichen Fortschritt über das Wohlergehen von ganzen Volksgruppen stellen, Menschenrechtsverletzungen hinnehmen, nur damit das Bruttosozialprodukt fleißig weiter wächst?
In vielen sogenannten Eliteschmieden werden viel zu oft Menschen herangezogen, deren einzige Sorgen darin bestehen, dass der neue Weinjahrgang schlechter ist als der letzte, dass die neue Rolex-Kollektion auch nicht mehr das ist, was sie mal war, und dass das Green auf dem Golfplatz nicht richtig gemäht war. Bitte, ich versuche in diesem Buch generell Vorurteile abzubauen. Ich mag in der Vergangenheit an die falschen Leute geraten sein, aber das ist das Bild, das ich von unserer sogenannten Elite bekommen habe.
Wäre es nicht geschickter die Menschen „das Leben“ zu lehren, als ihnen einzureden sie seien etwas Besseres?
Ich schreibe dieses Buch nicht, um Politik zu machen, aber einer meiner ehemaligen Vorgesetzten hatte folgenden Wahlspruch: „Wenn Du glaubst jemand zu sein hast Du aufgehört jemand zu werden.“ Ich persönlich nutze jede Gelegenheit um „jemand zu werden“. Denken Sie mal darüber nach.
Zurück zum Thema. Ich war bei Auslandssemestern stehen geblieben. Hier mußte ich wie gesagt auf Erzählungen aus zweiter Hand zurückgreifen.
Ähnlich wenig Bezug habe ich zu Reisen in der Rente.
Auf meine Hochzeitsreise werde ich später noch mehr eingehen. Für den Moment nur so viel:
Vor einigen Jahren lernte ich in Peru ein Paar aus der Schweiz kennen. Die beiden waren auf ihrer einjährigen Hochzeitsreise. Sechs Monate davon verbrachten Sie mit dem Rucksack auf ihrer Reise durch Südamerika. Die zweiten sechs Monate wollten Sie für ein Entwicklungshilfeprojekt in Peru arbeiten. Für viele mag sich das nicht mit der Vorstellung einer romantischen Hochzeitsreise decken. Dazu sei gesagt: es gibt wahrscheinlich nichts romantischeres als sein Zwei-Mann-Zelt unter dem sternenklaren Andenhimmel aufzubauen, und Machu Picchu bei Sonnenuntergang zu erleben. Und das ist nur eine von vielen Varianten, die sich bieten. Die beiden waren glücklich, und absolut überzeugt von dem was sie da taten. Nichts anderes zählt.
Und für die Rentner: ein ehemaliger Nachbar war regelmäßig monatelang nicht zu sehen. Irgendwann habe ich ihn beim Basteln in seiner Garage erwischt. Er war gerade dabei seinen Geländewagen zu überholen, das Faltboot zu prüfen und die Wassertanks auszuwaschen. Er stand kurz vor einer mehrmonatigen Reise mit seiner Frau durch den Maghreb und weiter ans Meer. Der Mann hatte einen Tatendrang, der schon fast unheimlich war. Als er mir sein Alter verriet musste ich schlucken. Ich hätte ihn knapp 15 Jahre jünger geschätzt.
Der richtige Zeitpunkt für mich mag der falsche für Sie sein. Ich habe meine Träume, Sie haben Ihre. Egal – leben Sie sie!
Freitag, 5. Oktober 2012
Keine Zeit zu Reisen? Ach was!!!!
Der richtige Zeitpunkt
Wie schreibt man über etwas, dass es nicht gibt? Über den richtigen Zeitpunkt. Mehrere leere Seiten in diesem Buch würden sich weder optisch besonders gut machen (außer vielleicht man würde sie farblich gestalten, aber dann wären Sie nicht mehr leer), noch wäre Ihnen als Leser damit geholfen.
Wie schreibt man also über dieses Kuriosum, diese in der heutigen Zeit zum Mysterium verkommenen Bezeichnung. Richtige Zeitpunkte gibt es offensichtlich nur noch für Aktiendeals, Marketingstrategien, Jobbewerbungen und für den Zug zur Arbeit. Wenn Babys nicht zum richtigen Zeitpunkt auf die Welt kommen leitet man die Geburt künstlich ein…
Moment, diese Parallele ist nicht einmal schlecht, denn irgendwie müssen Sie Ihren persönlich richtigen Zeitpunkt schlichtweg dann einleiten, wenn Sie es für richtig halten.
Es wird immer Gründe geben, um zu Haue zu bleiben. Die Gallenoperation von Onkel Herbert, die Küche, die mal wieder tapeziert werden müsste, der wöchentliche Stammtisch, das Staffelfinale der Lieblingsserie, die Prüfung auf der Uni. Manches mehr und manches weniger wichtig. Wie wichtig, das müssen Sie selbst entscheiden. Solange Sie lediglich über eine Reise im normalen Urlaubsausmaß - also bis zu vier Wochen – nachdenken, sollte die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt auch kein all zu großes Problem sein. Dieses Problem stellt sich erst, wenn es für länger als einen Monat weggehen soll, Zeitraum nach oben offen.
Für manche ist der richtige Zeitpunkt für eine längere Reise die Zeit zwischen Schule und Bundeswehr, zwischen Bund und Uni, oder zwischen dem Universitätsabschluss und dem Einstieg in den Job. Andere verlegen die Traumreise praktischerweise in die Flitterwochen, und schlagen so zwei Fliegen mit einer Klappe. (Wenn es hinterher Nachwuchs gibt waren es sogar drei!) Wieder andere unterbrechen zwischenzeitlich das Studium, nehmen ein Jahr Auszeit vom Job (ein so genanntes „Sabbatical“), oder sie gehören zu den ganz Mutigen und kündigen schlichtweg. Und zu guter letzt gibt es da auch noch die Rentner, die auf ihre alten Tage noch die Welt erkunden. Udo Jürgens hatte Recht! Mit 66 Jahren…
Wer noch vor der Ausbildung steht steckt häufig in einem Dilemma. Man befindet sich in den besten Jahren was körperliche Fitness angeht, ist neugierig, voller Tatendrang und möchte die Welt sehen. Wenn also nicht jetzt, wann dann, fragen sich viele. Dass einem in diesem Alter die Geldscheine nicht bündelweise aus den Taschen quellen ist nebensächlich, das hatte ich weiter oben schon erwähnt. Was einen viel mehr ins Grübeln bringt sind die Vorstellungen des Umfelds.
Zum Einen die Vorurteile gegenüber fremden Ländern, die man aber mit etwas weltoffenem Denken schnell beseitigen kann. Zum Anderen aber die Vorstellungen der meisten Eltern und der Gesellschaft von einem geregelten Leben. Nach der Schule (bzw. Bundeswehr, Zivildienst o.ä.) sollte man doch schließlich schnellstmöglich eine Ausbildung machen und sich dem Ernst des Lebens widmen. Einerseits eine vollkommen überholte Formulierung, denn ohne eine gehörige Portion Humor kommt man heute nicht sehr weit. Andererseits auch eine zum Glück überalterte Vorstellung. Denn wer reist erweitert seinen Geist und seine Aufnahmefähigkeit, wird offen für ungewöhnliche Denkweisen, unkonventionelle Problemlösungen, arbeitet später ruhiger und effektiver, kann mitreißen und motivieren, vertraut aufgrund gemachter Erfahrungen auf die eigenen Fähigkeiten und lässt sich eher auf neue Herausforderungen ein. Selbst im bürokratischen Deutschland hat sich mittlerweile bei vielen Personalchefs herumgesprochen, dass es nicht nur auf das theoretische, mit Stempel und Abschlusszeugnis belegte Wissen ankommt, sondern darauf, wie fest jemand im Leben steht, wie er Situationen einschätzen kann, und welche – auch nicht berufsspezifischen - Erfahrungen er mitbringt.
Und wie könnte man besser solche Erfahrungen machen als durch selbständiges Reisen. Wo sonst lernt man innerhalb kürzester Zeit die unterschiedlichsten Typen und Mentalitäten kennen, wo kommt man öfter in die Situation die verschiedensten Probleme selbständig lösen zu müssen. Und wo sonst kann man derart an eigenen Erfolgen (und auch Misserfolgen) wachsen.
Ich gehe jede Wette ein: wenn ein Personalchef die Wahl zwischen zwei Bewerbern hat, die eine ähnliche Abschlussnote vorweisen können: derjenige mit dem schlechteren Abschluss und einer guten Portion Weltsicht und Menschenkenntnis wird den Streber mit Abschluss in Rekordzeit problemlos übertrumpfen. Reisen ist keine vergeudete Zeit. Man lernt mit jeder Minute, jedem Kilometer, jedem Gespräch und jedem Problem dazu. Ein Prüfungszertifikat hierfür wäre unbezahlbar.
Ich habe es weiter oben schon einmal geschrieben: Schlau ist nicht der, der alles weiß, sondern der, der das Richtige weiß. Nutzen Sie diese Chance!
.....
Wie schreibt man über etwas, dass es nicht gibt? Über den richtigen Zeitpunkt. Mehrere leere Seiten in diesem Buch würden sich weder optisch besonders gut machen (außer vielleicht man würde sie farblich gestalten, aber dann wären Sie nicht mehr leer), noch wäre Ihnen als Leser damit geholfen.
Wie schreibt man also über dieses Kuriosum, diese in der heutigen Zeit zum Mysterium verkommenen Bezeichnung. Richtige Zeitpunkte gibt es offensichtlich nur noch für Aktiendeals, Marketingstrategien, Jobbewerbungen und für den Zug zur Arbeit. Wenn Babys nicht zum richtigen Zeitpunkt auf die Welt kommen leitet man die Geburt künstlich ein…
Moment, diese Parallele ist nicht einmal schlecht, denn irgendwie müssen Sie Ihren persönlich richtigen Zeitpunkt schlichtweg dann einleiten, wenn Sie es für richtig halten.
Es wird immer Gründe geben, um zu Haue zu bleiben. Die Gallenoperation von Onkel Herbert, die Küche, die mal wieder tapeziert werden müsste, der wöchentliche Stammtisch, das Staffelfinale der Lieblingsserie, die Prüfung auf der Uni. Manches mehr und manches weniger wichtig. Wie wichtig, das müssen Sie selbst entscheiden. Solange Sie lediglich über eine Reise im normalen Urlaubsausmaß - also bis zu vier Wochen – nachdenken, sollte die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt auch kein all zu großes Problem sein. Dieses Problem stellt sich erst, wenn es für länger als einen Monat weggehen soll, Zeitraum nach oben offen.
Für manche ist der richtige Zeitpunkt für eine längere Reise die Zeit zwischen Schule und Bundeswehr, zwischen Bund und Uni, oder zwischen dem Universitätsabschluss und dem Einstieg in den Job. Andere verlegen die Traumreise praktischerweise in die Flitterwochen, und schlagen so zwei Fliegen mit einer Klappe. (Wenn es hinterher Nachwuchs gibt waren es sogar drei!) Wieder andere unterbrechen zwischenzeitlich das Studium, nehmen ein Jahr Auszeit vom Job (ein so genanntes „Sabbatical“), oder sie gehören zu den ganz Mutigen und kündigen schlichtweg. Und zu guter letzt gibt es da auch noch die Rentner, die auf ihre alten Tage noch die Welt erkunden. Udo Jürgens hatte Recht! Mit 66 Jahren…
Wer noch vor der Ausbildung steht steckt häufig in einem Dilemma. Man befindet sich in den besten Jahren was körperliche Fitness angeht, ist neugierig, voller Tatendrang und möchte die Welt sehen. Wenn also nicht jetzt, wann dann, fragen sich viele. Dass einem in diesem Alter die Geldscheine nicht bündelweise aus den Taschen quellen ist nebensächlich, das hatte ich weiter oben schon erwähnt. Was einen viel mehr ins Grübeln bringt sind die Vorstellungen des Umfelds.
Zum Einen die Vorurteile gegenüber fremden Ländern, die man aber mit etwas weltoffenem Denken schnell beseitigen kann. Zum Anderen aber die Vorstellungen der meisten Eltern und der Gesellschaft von einem geregelten Leben. Nach der Schule (bzw. Bundeswehr, Zivildienst o.ä.) sollte man doch schließlich schnellstmöglich eine Ausbildung machen und sich dem Ernst des Lebens widmen. Einerseits eine vollkommen überholte Formulierung, denn ohne eine gehörige Portion Humor kommt man heute nicht sehr weit. Andererseits auch eine zum Glück überalterte Vorstellung. Denn wer reist erweitert seinen Geist und seine Aufnahmefähigkeit, wird offen für ungewöhnliche Denkweisen, unkonventionelle Problemlösungen, arbeitet später ruhiger und effektiver, kann mitreißen und motivieren, vertraut aufgrund gemachter Erfahrungen auf die eigenen Fähigkeiten und lässt sich eher auf neue Herausforderungen ein. Selbst im bürokratischen Deutschland hat sich mittlerweile bei vielen Personalchefs herumgesprochen, dass es nicht nur auf das theoretische, mit Stempel und Abschlusszeugnis belegte Wissen ankommt, sondern darauf, wie fest jemand im Leben steht, wie er Situationen einschätzen kann, und welche – auch nicht berufsspezifischen - Erfahrungen er mitbringt.
Und wie könnte man besser solche Erfahrungen machen als durch selbständiges Reisen. Wo sonst lernt man innerhalb kürzester Zeit die unterschiedlichsten Typen und Mentalitäten kennen, wo kommt man öfter in die Situation die verschiedensten Probleme selbständig lösen zu müssen. Und wo sonst kann man derart an eigenen Erfolgen (und auch Misserfolgen) wachsen.
Ich gehe jede Wette ein: wenn ein Personalchef die Wahl zwischen zwei Bewerbern hat, die eine ähnliche Abschlussnote vorweisen können: derjenige mit dem schlechteren Abschluss und einer guten Portion Weltsicht und Menschenkenntnis wird den Streber mit Abschluss in Rekordzeit problemlos übertrumpfen. Reisen ist keine vergeudete Zeit. Man lernt mit jeder Minute, jedem Kilometer, jedem Gespräch und jedem Problem dazu. Ein Prüfungszertifikat hierfür wäre unbezahlbar.
Ich habe es weiter oben schon einmal geschrieben: Schlau ist nicht der, der alles weiß, sondern der, der das Richtige weiß. Nutzen Sie diese Chance!
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